Frühfranzösisch – Auch für die Politik gilt: Dazulernen!

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Frühfranzösisch – Auch für die Politik gilt: Dazulernen!

Als der Kantonsrat den Vorstoss für den Einstieg ins Französisch ab der 1. Sekundarklasse statt wie bisher ab der 5. Primarschulklasse überwies, gingen wie erwartet die Wogen hoch. Dabei musste mit politischen Vorstössen gerechnet werden, denn schon lange ist klar, dass sich die Hoffnungen in das Frühfranzösisch nicht erfüllt haben.

Als der Kantonsrat die Motion für den Einstieg ins Französisch ab der 1. Sekundarklasse statt wie bisher ab der 5. Primarschulklasse überwies, gingen wie erwartet die Wogen hoch. Dabei musste mit politischen Vorstössen gerechnet werden, denn schon lange und spätestens seit dem kürzlich publizierten Bericht der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz EDK ist klar, dass sich die Hoffnungen in das Frühfranzösisch in der 5. und 6. Klasse nicht erfüllt haben. Früher ist nicht automatisch besser, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Daraus muss die Politik Lehren ziehen.

 

Lehrpersonen sind nicht unbegrenzt belastbar, Kinder sind keine Schwämme und lernen erfordert Zeit. Wenn sie fehlt, weil in der Schule immer mehr Inhalte vermittelt werden sollen, leidet zwangsläufig der Lernerfolg. Die Politik muss sich hier also um einige heisse Eisen kümmern, denn es gilt, Prioritäten zu setzen.

 

Die Meinungen zum Frühfranzösisch gehen auseinander, dies liegt auch an der Komplexität des Themas und seinen staatspolitischen Aspekten. Doch in einer Sache ist man sich einig: Alle Kinder profitieren von hohen Kompetenzen in der regionalen Landessprache – also bei uns in Deutsch –, und zwar ein Leben lang, in allen Lebensbereichen. Nicht nur im Beruf ist es wichtig, sich bewusst und präzise ausdrücken zu können sowie das Gegenüber genau zu verstehen. Auch unsere Beziehungen in Familie, Partnerschaft und Freundeskreis und nicht zuletzt die eigene persönliche Entwicklung werden von unseren sprachlichen Kenntnissen mitbestimmt, weil Sprache, Denken und Fühlen eng miteinander verknüpft sind. Die Schweiz hat zudem als partizipative Demokratie ein ureigenes Interesse an mündigen Bürgerinnen und Bürgern. Dafür ist eine hohe sprachliche Kompetenz eine grundlegende Voraussetzung. Dies bedeutet in Bezug auf fremdsprachige Kinder, dass sich die vorschulische Unterstützung im Lernen der regionalen Landessprache nachhaltig lohnt und auch in den ersten Schuljahren Priorität haben muss. Da haben wir noch wertvolles Potenzial, das wir besser nutzen müssen. Jeder investierte Franken kommt hier mit mehrfachem Gewinn der Gesellschaft zugute.

 

Das Argument, man dürfe das Frühfranzösisch nicht infrage stellen, um die Harmonisierungsbemühungen unter den Kantonen (HarmoS) nicht zu gefährden oder ein Machtwort des Bundes zu provozieren, macht ratlos. Angst vor Reformen darf uns nicht lähmen. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Politik den Mut hat dazuzulernen.

 

Valeria Rampone
alt Gemeinderätin glp/GEU
Lehrperson Französisch und Deutsch