Individualbesteuerung ist eine einmalige Chance für mehr Gerechtigkeit

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Individualbesteuerung ist eine einmalige Chance für mehr Gerechtigkeit

In der aktuellen Debatte zur Abstimmung über die Einführung der Individualbesteuerung nehmen unzählige Vergleiche mit der heutigen Situation viel Raum ein: wer profitiert und wer eher nicht? Aus meiner Sicht erliegen wir hier einem grossen Überlegungsfehler und verlieren die klare Sicht auf die einmalige Chance, die sich uns mit dieser Reform bietet. Leserbrief von Thomas Maier zur Individualbesteuerung.

Wenn wir die heutigen Lebensrealitäten betrachten und uns dann überlegen, wie würden wir eine Einkommenssteuer heute, quasi auf der grünen Wiese, neugestalten und einführen, kommen wir alle wohl sehr rasch zum Schluss, dass eine Individualsteuer die perfekte Lösung darstellt. Aus staatlicher Sicht sollte ein Steuersystem möglichst gerecht und neutral in Bezug auf die gewählten Lebens- und Einkommenssituationen sein. Diese sind heute enorm vielfältig: die klassische Ehe, Zusammenleben im Konkubinat, Single-Haushalte – alles mit und ohne Kinder und sehr unterschiedlichen Anteilen am Erwerbseinkommen.

 

Mit einer individuellen Einkommenssteuer das ganze Leben lang wird alles viel einfacher und gerechter. So stellt sich nach einer Scheidung nie mehr die sehr strittige Frage, welcher Elternteil jetzt wie lange noch im Verheirateten Tarif besteuert wird, um nur ein einziges Beispiel zu nennen.

 

Der von den Kantonen als Gegenargument ins Feld geführte administrative Aufwand hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Schon heute füllen Eheleute in der Steuererklärung zwei Spalten aus. Die einmalige Aufteilung gemeinsamer Vermögenswerte ist lösbar – Paare im Konkubinat und Geschiedene machen genau das bereits heute. Zudem schreitet die Digitalisierung der Steuerverwaltungen stetig voran, was die Umsetzung weiter vereinfacht.

 

Viele Gegner führen zudem ins Feld, dass ein Splitting besser wäre. Auch das führt in die Irre, wie ein Blick über die Grenze nach Deutschland zeigt: dort muss dann in diverse Steuerklassen unterschieden werden (geschieden, alleinerziehend, beide verdienen ähnlich, beide verdienen unterschiedlich, etc.), was nicht nur noch komplizierter wird, sondern wiederum zu neuen Ungerechtigkeiten führt.

Mein Fazit ist klar: Packen wir diese einmalige Chance und stimmen Ja zur Einführung der Individualbesteuerung! Welches Land sonst auf der Welt hat diese Möglichkeit, in einer Volksabstimmung eine solch wichtige und grosse Reform zu beschliessen?

 

Thomas Maier, Grünliberale GLP Dübendorf