Kunststoffsammelsäcke

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Kunststoffsammelsäcke

Lohnt sich Kunststoffsammeln? Wahrlich ein Thema für endlose Diskussionen, wie die Gemeinderatssitzung vom vergangenen Montag erneut zeigte. Nur 3% des Haushaltkunststoffs – ohne PET – werden recycled und auch diese eigentlich nicht «recyled», sondern lediglich «downcycled». Aus Joghurtbechern werden beispielsweise nur noch Kabelschutzrohre, nicht wieder Lebensmittelverpackungen. Der Kreislauf schliesst sich nicht, Gemeinderat Rico Eberle ausführte. Lohnt sich da der Aufwand oder sollte man nicht besser in die grundsätzliche Vermeidung von Kunststoff investieren?

Votum Gemeinderat Rico Eberle:


Wir haben diese Interpellation mehrheitlich in unserer Fraktion mitunterzeichnet und danken dem Stadtrat für die sachliche Beantwortung.


Die in der Interpellation zitierte These, 80% des gesammelten Kunststoffs lande in der Verbrennung, lässt sich für unser System nicht halten. Der AWEL-Monitoringbericht 2024 zeigt klar: Von 1’965 Tonnen gesammeltem Kunststoff im Kanton Zürich wurden über 50% stofflich verwertet. Auch die CO2-Einstparung gemäss Frauenhofer-Studie und der Preisanreiz gegenüber dem Kehrichtsack stützen das aktuelle System. Soweit folgen wir dem Stadtrat.


In drei Punkten aber greift die Antwort etwas zu kurz:

Zur Ehrlichkeit: Über 50% stoffliche Verwertung heisst eben auch: Knapp die Hälfte wird trotz Separatsammlung verbrennt. Und beim verwendeten Anteil sprechen wir von Downcycling – aus Joghurtbechern werden Kabelschutzrohre und keine neuen Lebensmittelverpackungen. Der Kreislauf schliesst sich nicht. Verschiedene Überprüfungen haben zudem gezeigt, dass versprochene 70–80% Recyclingquoten in der Praxis teils nur bei 50% lagen. Wir erwarten, dass der Stadtrat auf unabhängig geprüfte Verwertungszahlen besteht – der AWEL-Monitoringbericht ist der richtige Massstab, nicht die Selbstdeklaration der Anbieter.


Zur Kostenfrage: Die Interpellation kritisiert zu Recht, dass die Kosten einseitig bei den Konsumenten liegen. Die Parlamentarische Initiative „Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken“, 2024 mit breiter Mehrheit verabschiedet, gibt dem Bund neu die Kompetenz, Hersteller in die Pflicht zu nehmen. Die neue Verpackungsverordnung sieht ab 2028 eine subsidiäre Rücknahmepflicht vor. Wir erwarten, dass Dübendorf diese Entwicklung aktiv begleitet, statt nur abzuwarten.


Zum grossen Hebel: Die Schweiz verbraucht 127 kg Kunststoff pro Kopf und Jahr – Spitzenwert in Europa. Gleichzeitig werden nur rund 3% des Haushaltskunststoffs ohne PET tatsächlich recycelt. Der grösste ökologische Hebel liegt bei der Vermeidung, nicht beim Recycling. Kreislaufwirtschaft bedeutet besseres Produktdesign, weniger Einwegverpackungen, echte Mehrweglösungen. Auch eine Gemeinde kann hier über Kommunikation und Vorbildfunktion einen Beitrag leisten.


Wir nehmen die Antwort zur Kenntnis und bitten den Stadtrat, die Pilotphase bis 2027 zu nutzen: für echte Transparenz bei den Verwertungswegen, für ehrliche Kommunikation gegenüber der Bevölkerung – und für eine stärkere Betonung der Vermeidung.