Schlechte Verlierer gefährden die politische Kultur

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Schlechte Verlierer gefährden die politische Kultur

Bei Abstimmungen gibt es immer Gewinner und Verlierer. Gewinnen ist einfach: Man hat eine Mehrheit überzeugt und etwas bewegt. Verlieren dagegen ist anspruchsvoller. Man zweifelt an der Entscheidung, ringt mit der eigenen Enttäuschung oder fürchtet die Folgen des neuen Gesetzes. Gerade dann zeigt sich, wie reif unsere politische Kultur ist. Leserbrief von Dario Glasl.

Gehört man nicht zum Sieger-Lager, ist das Schlimmste, was man tun kann, ein schlechter Verlierer zu sein. Niemand schätzt schlechte Verlierer: Wer die Schuld bei anderen sucht, statt das Resultat zu akzeptieren, zeigt wenig Respekt gegenüber der Mehrheit.

 

 

Genau diesen Eindruck vermittelt unter anderem die neue Petition «Zexit». Diese fordert eine Abspaltung der Stadt Zürich vom Rest des Kantons in zwei neue Halbkantone. Der Grund: Die Stadt werde vom Land in «fundamentalen» Fragen immer überstimmt. Ein solches Anliegen könnte man nachvollziehen, wenn es um wesentliche Fragen unserer Grundrechte ginge. Stattdessen geht es um Tempo-30-Zonen und Prämienverbilligungen. Das Ergebnis hätte ich mir auch anders gewünscht, aber deswegen gleich den Kanton spalten zu wollen, ist definitiv zu extrem.

 

 

Solche Abspaltungsfantasien beschränken sich jedoch nicht auf eine politische Seite. Auch in anderen politischen Lagern wird bereits im Vorfeld zu den EU-Verträgen sogar auf Landesebene mit Spaltungsszenarien gedroht – noch bevor die Bevölkerung überhaupt abgestimmt hat.

 

 

Bei Brett-, Computer- und Gesellschaftsspielen kann auf die nächste Partie verzichtet werden. Doch im Gegensatz zu einem Spiel ist unsere Demokratie kein Ort für Trotzreaktionen. Dass von den politischen Rändern oft versucht wird, diese für unser Zusammenleben so elementare Basis mit undemokratischem «Täubelen» zu untergraben, enttäuscht mich.

 

 

Zu Weihnachten wünsche ich mir deshalb, dass wir Niederlagen wieder als Teil der Demokratie akzeptieren und gemeinsam weiterdenken. So entsteht jene politische Kultur, die die Schweiz stark macht. Frohe Festtage!

 

Dario Glasl, Gemeinderatskandidat Grünliberale